Lliana Issakadze in Monographien

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Harald Eggebrecht  - „GROßE GEIGER“

München 2000


„....Mit unbändigem Temperament, einem vor Intensität glühenden Ton stürzte sich Liana Issakadze in diesen geigerischen Parforceritt. Prokofjews Ruf im Paris der zwanziger Jahre, ein Berserker und musikalischer Brutalo zu sein, fällt einem bei dieser Heftigkeit des Zugriffs, dieser Rage über Stock und Stein ein. Dabei gelang es Liana Issakadze, in allen Toben zu artikulieren, Konturen nicht zu verwischen. Oistrach selbst konnte diesen wüsten Ausbruch nicht so fanatisch darstellen, das unvergleichliche Volumen seines Tons rundete bei allem Einsatz Prokofjews Kanten und Schärfen doch ab, während die junge Georgierin wahrlich ausbrach.“

„Sie hielt Geige und Bogen überraschend hoch und vermittelte herrischen Stolz und Ernst. Auch heute noch, wenn sie auftritt. Mit schön dosiertem Vibrato, energiereicher Höhe und einem Zug ins Pathetische spielte sie 1965 im Herkulessaal Eugene Ysayes vierte Solosonate e-Moll.

„Mit ihrem Kammerorchester reist sie seit 1981 um die Welt. Auf dem Schleswig-Holstein-Musik-Festival wurden die georgischen Musiker genauso gefeiert wie in Ludwigsburg, Salzburg oder in Australien. Ein Ensemble aus dem Geist seiner Leiterin: keine Mätzchen bei hoher Virtuosität; selbst leichte Aufgaben ernst nehmen; niemals die Zügel schleifen lassen. Liana Issakadze hat auch in Momenten reiner Schmachtfetzenseligkeit und des Zugabencharmes nie kokettiert oder dem Affen Zucker gegeben, darin ganz Schülerin ihres Lehrers D.Oistrach. Und Sie hat mit dieser Strenge und Sorgfalt das Publikum auch für schwierige und abgelegene Werke gewonnen.

Als sie bei ihrem ersten Violinabend in Deutschland Schönbergs späte Fantasie für Violine und Klavier vortrug,entdeckte sie für alle ein vielschichtiges, aufregendes Stück Geigenmusik durch ihren unbedingten Ausdruckswillen, ihre wilde Entschlossenheit, keine Note unter Wert zu spielen und ihre Möglichkeiten bis an die Grenze des Scheiterns auszureizen.“


Joachim W. Hartnack –
„ GROSSE  GEIGER  UNSERER  ZEIT“

Atlantis, Musikbuch, 1993

„Liana Issakadze, die im März 1973 das Münchener Publikum mit Bachs h-Moll-Sonate (BWV 1014) faszinierte und mit der f-Moll-Sonate von Prokofjeff zu wilden Begeisterungsstürmen hinriß. Im Oktober 1981 erspielte die 1946 in Tiflis geborene und mit einem berühmten Chirurgen verheiratete Geigerin in Berlin einen Riesenerfolg mit der G-Dur-Sonate von Brahms und der f-moll-Sonate von Prokofjeff. Von diesem Konzert ist mir nicht nur ihre bemerkenswerte weibliche Attraktivität im Gedächtnis geblieben, sondern auch ihr unglaubliches Temperament, eine funkensprühende Vitalität und eine virtuose Perfektion, die mich deshalb besonders verblüffte, weil ihre technisch-mechanische Handhabung des Instruments eigentlich allen Regeln spottet: Sie spielt überwiegend mit steifem Unterarmvibrato, hält den Bogen weitaus höher, als man gewohnt ist, und scheint im übrigen den Bogen meist nur mit zwei Fingern festzuhalten – eine Methode, angesichts derer dem Erzvater der russischen Geiger, Leopold Auer, wahrscheinlich die Haare vom Kopf gefallen wären.“


Albrecht Roeseler –„GROßE GEIGER UNSERES JAHRHUNDERTS“ 

PIPER, München, Zürich

„Bei Brahms d-Moll-Sonate war ihre herbe Leidenschaftlichkeit so ganz nach jenem Geschmack, mit dem wir Deutschen „unseren“ Brahms gern musiziert haben wollen. Aber Liana Issakadze vermag auch ihre rein geigerischen Fähigkeiten ins Rampenlicht zu rücken: Kreisler, Sibelius und Sarasate verwandeln dann den Konzertsaal in einen Geigertempel, dem Kenner und Liebhaber gleichermaßen huldigen“

„Grieg und Mozart, Beethoven und Stravinsky haben wir von Liana Issakadze gehört – noble Zeugnisse makellosen, immer ernst-gesammelten Musizierens. Und nach  einem ihrer Abende, an dem sie wieder das Geigerisch-Virtuose ein wenig unterdrückt zu haben schien, strich sie sich plötzlich mit  Saint-Saens' Caprice op 52 die virtuose Bahn frei zu den hinreißendsten Eskapaden, zu gelöstem Ton, zu interpretatorischem Charme. Und als dieser Versuch gelungen schien, da lächelte sie auch zum erstmal an diesem Abend.“
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