Geigerin

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Als dreijährige war sie schon eine Musikerin. Das Klavierspiel erlernte sie eigenständig und fing zu komponieren an. Geigerin wurde Liana Issakadze durch Zufall. Am Tage der Aufnahmeprüfung - sie war gerade sieben geworden - erkrankte sie. Die nächste Gelegenheit bot sich erst eine Woche später, jedoch für das Fach Violine. Sie wurde in die Klasse von Prof. L. Shiukashvili aufgenommen.

Drei Monate später trat sie erstmals öffentlich auf, mit neun stand sie bereits als Solistin vor einem Sinfonieorchester und gab mit zehn ihren ersten Soloabend. Im selben Jahr bekam sie eine Einladung zu einem internationalen Festival-Wettbewerb in Moskau, wo sie das volle Wettbewerbsprogramm bestritt; diesmal zwar - wegen ihres jungen Alters - noch außerhalb der offiziellen Teilnahme. Wie das Schicksal es wollte, hatte damals Dawid Oistrach den Juri-Vorsitz inne. Von nun an wächst der Ruf des „Wunderkindes aus Georgien“ in der ganzen Sowjetunion.

Im Alter von 12 Jahren wird Liana Issakadze der erste Preis beim Pankaukasischen-Wettbewerb der Geiger unter Erwachsenen verliehen. Mit 14 erhält sie eine Sonderzulassung zum Allunionswettbewerb der damaligen UdSSR - laut offiziellen Reglements waren ausschließlich Geiger ab dem vollendeten 17. Lebensjahr teilnahmeberechtigt - und gewinnt den ehrenvollen II. Preis. Auf Drängen D. Oistrachs schließt sie die „Zentrale Musikschule für begabte Kinder“ in Tbilisi (Georgien) ein Jahr früher als vorgeschrieben ab und wird, ohne eine Eignungsprüfung ablegen zu müssen, in die Violinklasse des legendären Geigers am Staatlichen Moskauer P.-I.-Tschaikowski-Konservatorium aufgenommen.

Nach dem Abschluß setzt Liana Issakadze ihr Studium am Moskauer Konservatorium nunmehr als Meisterschülerin Oistrachs fort, zugleich wird sie von ihm zu seiner Assistentin ernannt. Der Dirigent Oistrach lädt sie oft als Solistin ein. Mehrmals führt sie gemeinsam mit ihm die Violinkonzerte von Beethoven und Tschaikowski auf. Am Vorabend der bevorstehenden Aufführung des Doppelkonzertes von Brahms 1974 in Amsterdam, bei der Liana Issakadze und ihr Bruder, Cellist, Eldar Issakadze, die Soloparts unter der Leitung Oistrachs als Dirigent übernehmen sollten, verstirbt der große Musiker, Dawid Oistrach, tragisch an einem Herzversagen.

1965 errang Liana Issakadze im Alter von 18 Jahren den „Grand - Prix“ sowie den 1. Preis beim internationalen Long-Thibaud-Wettbewerb für Violinisten in Paris. 1970 wurde sie Preisträgerin beim internationalen Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau (III. Preis). Im selben Jahr wird ihr der 1. Preis des internationalen Sibelius-Wettbewerbs für Geiger in Helsinki zuteil sowie eine Sonderauszeichnung für die beste Interpretation des Violinkonzertes von Sibelius.

Von 1970 bis 1994 war Liana Issakadze Solistin der Staatlichen Moskauer Philharmonie. Als Geigerin gastierte sie mit Recitals und Soloabenden auf zahlreichen Tournees in ganz Europa, Amerika und Asien sowie als Solistin mit den führenden Orchestern und Dirigenten der ehemaligen UdSSR; hierzu zählen der Dirigenten Jewgeni Swetlanow (das Staatliche Orchester der UdSSR) oder das Staatliche Philharmonieorchester Moskau (unter der Leitung von D. Kitajenko). Sie arbeitete mit den besten Dirigenten der ehemaligen UdSSR zusammen, unter anderen mit Gennadi Roschdestwenski, Kirill Kondraschin, Arnold Katz, Djansug Kachidze. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Einspielungen bei der Firma „Melodia“ sowie Aufnahmen des Zentralen Moskauer Fernsehens und Rundfunks.

1964 wurde Liana Issakadze als Ausnahmekünstlerin eine Stradivari-Geige aus der Staatlichen Moskauer Instrumentensammlung zur Verfügung gestellt, welche sie bis 1981 spielte.

Seit 1965 konzertiert Liana Issakadze als Geigerin und Dirigentin mit großem Erfolg auf allen bedeutenden Bühnen Europas sowie bei den renommiertesten Festivals. Sie verbindet eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den führenden europäischen Orchestern und Dirigenten wie Rudolf Kempe, Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Jukka-Pekka Saraste, Neeme Järvi, Charles Dutoit, Michail Jurowski, Shiri Kout, ferner Wozlav Neumann, Jean Pascal Tortelie, Shiri Beloglavek, Lord Yehudi Menuhin, Mariss Jansons, Paavo Berglund, Waleri Gergijew, Dmitri Liss, Vladimir Verbitskij, Gintaras Rinkevichus, Alexander Dmitriev u. a.

1988 fand in Wien ein internationales Festival statt, das nicht nur den Namen der Künstlerin trug, sondern ganz im Zeichen ihres musikalischen Schaffens stand. In einer Rehe von Veranstaltungen trat hier Liana Issakadze zugleich als Geigerin, Dirigentin, Kammermusikpartnerin und Jazz-Musikerin auf; u. a. in diesem letzteren Zusammenhang preiste sie die Wiener-Musikkritik als „Grappelli im Rock“ an. Ein ähnliches Festival wurde ebenfalls in Lichtenstein ausgetragen.

Von ihren kammermusikalischen Partnern seien hier nur Gidon Kremer, Maxim Vengerov, Justus Franz, Grigorij Zhislin oder Igor Oistrach genannt sowie Arto Noras, Ivan Monighetti, Natalia Gutman, Alexei Ljubimov, Marija Judina sowie Wiktor Tretjakow, Alexander Slobodjanik, Jurij Baschmet und Barbara Hendricks, ferner Dimitrij Alexeev, David Geringas, Edvard Brunner, Gustav Revinius, Dimitrij Sitkovezkij, Franz Hummel, Frida Bauer, Alexander Knjazev und Alexander Rudin.

Liana Issakadze sind eine Reihe von Werken georgischer, russischer sowie deutscher Komponisten gewidmet.

Sie ist Autorin zahlreicher Bearbeitungen der Werke von Tschaikowski, Brahms, Boccerini, Mendelssohn, Gerschwin, J. S. Bach, Paganini, Franz Hummel, L. Bernstein.

Eine Vielzahl der Violinstücke sowie Orchesterwerke wurden in der ehemaligen Sowjetunion von Liana Issakadze uraufgeführt, darunter das bahnbrechende Violinkonzert von Arnold Schönberg.

Liana Issakadze ist Trägerein der meist begehrten Ehrentitel, Staatspreise und Auszeichnungen der ehemaligen UdSSR. Sie und Wiktor Tretjakow sind die jüngsten Musiker in der Geschichte der Sowjetunion, die mit dem höchsten künstlerischen Titel, „Volkskünstler der UdSSR“, gewürdigt wurden.

1988 wurde Liana Issakadze als Volksabgeordnete in das reformatorische Parlament der UdSSR unter Michael Gorbatschew gewählt. Sie gehörte einem auserwählten Personenkreis, welcher den Präsidenten während seiner Visite in Italien begleitete sowie war unter den neun Abgeordneten des neuen Parlaments, die vom Senat der Vereinigten Staaten Amerikas eingeladen wurden. Dieser Ausschuß nahm zwei Wochen lang an der Arbeit des US-Amerikanischen Senates teil. Beim abschließenden Empfang spielte Liana Issakadze einige Stücke von Schostakovitsch vor. Nach einem stürmischen Standing-Ovations wandte sich der Delegationschef Evgeni Primakov an die anwesenden Gäste, indem er auf Liana Issakadze deutete: „Meine Damen und Herren! Endlich konnten sie das wahre Gesicht des neuen sowjetischen Parlaments sehen.“

2009 veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“, eine Annonce zu dem ebenso vom Süddeutschen Verlag herausgegebenen CD-Album 
„JAHRHUNDERTGEIGER“. Unter den 20 der bedeutendsten Künstler würdigt dieses auch das musikalisch-interpretatorische Schaffen Liana Issakadzes.

2003 fand in Sankt-Petersburg der I. Internationale „L i a n a - I s s a k a d z e - W e t t b e w e r b“ für Geiger statt.


Liana Issakadze wurde in die Enzyklopädie „2000 herausragende Musiker des Jahrhunderts“ aufgenommen; herausgegeben vom Internationalen Bibliographischen Zentrum in Cambridge (England).

2001 wurde vor dem Gebäude der Philharmonie in Tiflis ein „Ehren-Stern“ mit dem Autogramm von Liana Issakadze installiert.

Sie war Juri-Mitglied u. a. bei dem Internationalen Long-Thibaud-Wettbewerb in Paris, dem Internationalen Sibelius-Wettbewerb für Geiger in Helsinki, ARD-Wettbewerb in München, Tibo-Varga-Wettbewerb in Sion sowie beim Dawid Oistrach-Wettbewerb in Odessa.

1998 war Liana Issakadze die Juri-Vorsitzende des Internationalen Tschaikowski-Wettbewerbs für Geiger in Moskau.

Mehrere in der Bundesrepublik Deutschland herausgegebene Monographien mit dem Titel “G r o ß e  G e i g e r” geben Darstellungen des Schaffens von Liana Issakadze (hierzu siehe auch den Abschnitt „Aus den Monographien“).

Auf die Einladung des Außenministeriums Deutschland setzte Liana Issakadze 2009 ein Kammerorchester aus jungen Musikern Süd-Ost-Europas zusammen. Mit diesem Orchester trat sie als Solistin und Dirigentin bei den Deutschen Kulturtagen in Berlin sowie in verschiedenen Städten des ehemaligen Jugoslawiens auf.

Im März 2011 trat sie mit dem “Young-Euro-Classic-Orchester-Südosteuropa" als Solistin und Dirigentin mit großem Erfolg in Berlin, Melsungen und Kassel auf.

Liana Issakadze gibt Meisterklassen u. a. in Salzburg (Mozarteum), Wien sowie beim Schlernfestival (Italien).

Auf die Initiative von Liana Issakadze wurde 1994 - mit Unterstützung der Stadtverwaltung - das alte Universitätsgebäude in Ingolstadt (erbaut im XV. Jahrhundert)  renoviert und die Dawid Oistrach Akademie gegründet.

Seit 1983 leitete Liana Issakadze künstlerisch mehrere internationale Musik-Festivals in Pitzunda (Georgien), Eichstätt (Deutschland), Open-Air Festival in Batumi (Georgien), “Fest der Künste“ in Borjomi (Georgien).

2011 hat Liana Issakadze "Virtuosi of Facebook", ein Orchester aus dem Freundeskreis im populären Netzwerk, gegründet, zu dessen Mitgliedern renommierte Musiker aus verschiedenen Ländern gehören. Die ersten öffentlichen Auftritte dieses einzigartigen Ensembles finden im August 2011 statt, bei den Festivals „Nachtserenaden“ und „Friends of Facebook“ in Batumi (am Schwarzen Meer, Georgien).

Zur Zeit lebt sie in Paris und Grasse in Frankreich.

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